Ungarn

Die Situation im Land


1Ungarn, ein Land mit ca. 10 Millionen Einwohnern in der Mitte Europas. Tierschutz ist hier noch zum Teil ein Fremdwort, obwohl es seit 1999 ein Tierschutzgesetz gibt, aber es wird zum großen Teil nach dem Ermessen des Einzelnen angewandt.

So ist zwar das grundlose Töten eines Wirbeltieres verboten und trotzdem wird es in grausamer Weise täglich praktiziert. Staatlich angestellte Hundefänger haben das Recht, Hunde einzufangen und sie nach einer kurzen, gesetzlich geregelten Frist töten zu lassen, wenn sie „eine Gefahr“ darstellen. Eine Gefahr ist zum Beispiel auch dann gegeben, wenn ein herrenloser Hund eine Straße überquert und somit den Verkehr gefährdet.

Es gibt derzeit ca. 84 so genannte Gyepmestertelep (Hundefänger-/Tötungsanlagen) wo der „Abfall“ der ungarischen Gesellschaft entsorgt wird. Nach ungarischem Gesetz können sowohl Privatleute selbständig bei der Stadtverwaltung einen störenden oder ungewollten Hund melden, oder aber der Hundefänger fängt ihn direkt auf der Straße. Sollte er nach einer kurzen Frist nicht abgeholt werden (was in den seltensten Fällen vorkommt), wird er getötet. Diese Aufgabe soll der Amtsveterinär der zuständigen Stadt durchführen und zwar mit dem Atemlähmenden Gift T61 ohne vorherige Betäubung.

9Im Verhältnis dazu gibt es nur eine handvoll Tierheime, die eine Genehmigung zum Betrieb haben. Diese kämpfen jährlich um die Almosen, die sie von der jeweiligen Stadt zugeteilt bekommen. Diese Tierheime haben in der Regel ca. über 200 Hunde und viele von ihnen auch noch Katzen. So dass die dort arbeitenden Mitarbeiter, so welche vorhanden sind, täglich Hunderte Tiere versorgen müssen und selbst einen Lohn bekommen, der unter dem Sozialhilfeniveau liegt. Auch bekommt zum Beispiel ein Hundefänger für seine Arbeit ca. 12.000 Euro im Jahr, das in derselben Stadt liegende Tierheim im selben Zeitraum nur 200 Euro. Natürlich gibt es auch viele Privatleute und Initiativen, die sich der streunenden und herrenlosen Tiere annehmen, so genannte Hundehorte, die über keine Zulassung verfügen und wo die Tiere mehr schlecht als recht untergebracht sind. Immer wieder gibt es Zwangsräumungen, wenn diese Initiativen aus dem Ruder laufen.

Staatliche Kastrationsprogramme gibt es nicht und gerade dies wäre der einzige Weg, dieses immer größer werdende Elend langfristig zu beenden. Ausländische Ärzte, die von europäischen Tierschutzorganisationen eingesetzt werden sollen, bekommen meist keine Genehmigung von den zuständigen Veterinärkammern. Das Schicksal der Tiere ist fraglich, da auch jetzt auf Grund der schwierigen wirtschaftlichen Situation immer mehr Tiere ausgesetzt werden und die Tierheime und Hundefänger-/Tötungsanlagen überquellen. Ein Land, das sich nach außen als modern und westlich orientiert gibt, von Leuchtreklamen und Einkaufstempeln überflutet ist, lässt seine schwächsten und ungewollten Bewohner in kleinen Käfigen sitzen - in ihrem eigenen Kot und Urin. Ein vom Tierschutzprojekt Ungarn erstelltes Konzept zur Verhinderung der Überpopulation von Hunden und Katzen wurde von der ungarischen Regierung zwar in Auftrag gegeben und dankend entgegengenommen, aber bisher nicht umgesetzt.