Griechenland - Die Situation in Griechenland

Die Situation in Griechenland


49Um die Streunerpopulation effizient zu verringern, müssten mindestens 70 % der Straßentiere (Hunde und Katzen) kastriert werden!

Doch dies durchzusetzen, scheint schier unmöglich zu sein, obwohl das Kastrieren nicht nur gesetzlich gefordert, sondern auch der beste Tierschutz überhaupt ist und damit unendliches Leid verhindert werden könnte.

Private Tierschützer tun deshalb, was möglich ist und arbeiten bis an der Rand der psychischen, physischen und finanziellen Erschöpfung. Doch ohne staatliche Förderungen (die nicht existiert), ist es ein ständiges Hinterherlaufen und viele aufgefundene und halb verhungerte, im Straßenverkehr verletzte und einfach liegen gelassene oder angeschossene Hunde und Katzen, die von den Tierschützern durch mühsame und wochenlange Arbeit aufgepäppelt wurden, werden, nachdem man sie wieder in „die Freiheit“ entlassen und vorher auf eigene Kosten kastriert hat, ein paar Wochen später vergiftet oder erschossen oder überfahren wieder aufgefunden.

Dazu kommt, dass ausländische Tierärzte, die sich anbieten, um die dringend notwendigen Kastrationen durchzuführen, keine Tätigkeitsgenehmigung in Griechenland erhalten und seitens der Gemeinden die Notwendigkeit von Kastrationen verneint wird.

Ein ausländischer Tierarzt kann in Griechenland derzeit nicht tätig sein, da sein Diplom nicht anerkannt werden kann und damit eine Tätigkeit immer illegal sein würde. Die Genehmigung wird derzeit nicht mehr erteilt, da das die Richtlinie umsetzende Ministerialdekret außer Kraft gesetzt wurde und keine Behörde für entsprechende Anträge zuständig ist. Die zunächst in Aussicht gestellte Möglichkeit, dass ausländische Tierärzte mit einem griechischen Bürgermeister zusammenarbeiten dürfen, wenn ein Vertrag mit Zustimmung des jeweiligen Gemeinderates zustande kommt, ist damit hinfällig. (1)

Die Vermittlung von Hunden ins Ausland – als derzeit einzige Möglichkeit, das Leben der Hunde zu retten – wurde durch den Erlass des stellvertretenden Landwirtschaftsministers ebenfalls deutlich erschwert, ja fast unmöglich gemacht.

Auch ist es dadurch Privatpersonen nicht mehr erlaubt, mehr als 2 Hunde oder 2 Katzen zu halten, was ein ständiges Zittern bedeutet, da unsere Auffangstation jederzeit von der Behörde geschlossen werden könnte, da dort etwa 20 Hunde und 40 Katzen leben.

56Das Dilemma in Griechenland besteht letztlich darin, dass es zwar ein durchaus akzeptables Tierschutzgesetz gibt, dass dieses aber in der Realität nicht beachtet wird, dass fast lächerlich anmutende „Strafen“ bei Tierquälerei ausgesprochen werden (wenn es überhaupt dazu kommt), dass die Arbeit von griechischen Tierschützern durch irrwitzige Gesetzeserlässe erschwert wird, ausländische Tierärzte keine Kastrationen durchführen dürfen und dass deshalb so gut wie nicht kastriert wird – auch weil dafür kein Geld ausgegeben wird. Die Umsetzung der Rechte der Tiere und auch der Tierschützer ist angesichts einer massiven Propaganda gegen ausländische Tierschützer in Griechenland schwierig. Es werden Gesetze erlassen, die den Anschein erwecken, dass Fachleute ihre kostbare Zeit dazu nutzen, Hürden aufzubauen und die Straßentiere sich selbst zu überlassen - ohne logischen Grund.

Die bestehenden Durchsetzungsprobleme sind wohl nicht bei den Menschen selbst, die man täglich trifft, zu finden, sondern verantwortlich hierfür sind die Ministerien und die Gesetzgebung der Tierärztekammern.

Als Fazit kann man sagen, dass in Griechenland derzeit hinsichtlich des Tierschutz– oder Haustiergesetzes zunächst keine Beanstandungen erhoben werden können, dass jedoch die Umsetzung der Gesetze dem Gesetzestext entgegenläuft.

(1) Nach langen und anstrengenden Jahren sind die Tierärzte Thomas Busch und Ines Leeuw vom Förderverein Arche Noah Kreta e.V in Griechenland als Tierärzte anerkannt worden.