Griechenland - Ausgesetzte Haustiere

Ausgesetzte Haustiere
 

In Mülltonnen entsorgt, auf verlassenen Inseln zum Sterben zurückgelassen, in Erdlöcher und tiefe Schluchten geworfen, irgendwo in der Einsamkeit ausgesetzt fristen sie ihr trauriges Dasein.
Obwohl laut Gesetz verboten, werden viele Haustiere, derer man überdrüssig geworden ist, ausgesetzt; entweder, weil sie keinen Nutzen mehr haben, oder weil man kein Geld für notwendige tierärztliche Maßnahmen ausgeben will. Oft handelt es sich dabei auch um Welpen, die in Mülltonnen geschmissen oder in tiefe Schluchten oder tiefe Erdlöcher geworfen werden, aus denen es kein Entrinnen gibt und in denen sie – wenn sie nicht schon an ihren sturzbedingten Verletzungen sterben – jämmerlich verhungern und verdursten.


Das Hundegrab nahe der Schlucht der Heiligen Irene

Hundegrab Unglaublich, aber wahr! Ein Loch nahe dem Eingang der Schlucht der Heiligen Irene wurde tatsächlich zum Hundegrab. Unbekannte haben in dieses Loch ihre Tiere geworfen. Mitglieder des tierfreundlichen Vereins Chania „Schutz der Tiere“ suchten mit einem Bergsteiger die Region auf. Der Bergsteiger stieg 18 Meter tief in das Loch hinab und entdeckte einen verängstigten Jagdhund, den er vor dem Tod rettete.

Die Mitglieder des tierfreundlichen Vereins „Schutz der Tiere“ erklären: „Vor wenigen Tagen wurden wir über unser Vereinstelefon informiert, dass an einer Stelle nahe dem Eingang der Schlucht der Heiligen Irene ein senkrechtes Loch existiert, aus dem Hundegebell zu hören ist. Diese Stelle befindet sich nahe der Hauptstraße und ungefähr 80 Meter vom Eingang zur Schlucht entfernt. Am vergangenen Samstag suchten Mitglieder unseres Vereins diese Region auf und stellten fest, dass die Anschuldigung wahr ist. Tatsächlich existiert ein Loch von unbestimmter Tiefe, aus dem Hundegebell zu hören war, während ringsum unerträglicher Gestank herrscht und es Millionen von Fliegen sowie Überreste von Häuten von Schafen gibt. Die Feuerwehr wurde informiert, und es kam sofort ein Fahrzeug von der Zweigstelle Kampanos. Leider jedoch war es für die Feuerwehrleute unmöglich, etwas für die verzweifelten Hunde zu tun, nachdem sie nicht über geeignete Mittel verfügten.

Bewohner der Region informierten uns, dass der Ort unter Einheimischen „das Hundegrab“ heißt und dass früher schon gewissenlose Menschen dort systematisch ihre Hunde bei lebendigem Leib hineingeworfen haben und ganz allgemein herrenlose Tiere, die so zu einem langsamen und grausamen Tod verdammt waren.

Vorausgesetzt, sie hatten den Sturz überlebt, waren sie gezwungen, dass im Kampf ums Überleben der eine den anderen fraß. Bewohner der Region behaupten auch, dass gewisse Leute alles Schlechte in diesem Loch verschwinden lassen, so auch kranke und sterbende Schafe und Ziegen, die für die öffentliche Gesundheit gefährlich sind.

Wir hatten uns mit Herrn Georgio Perrakis verabredet, Mitglied des Bergsteigervereins Chania und Höhlenforscher, der kam, die Situation abschätzte und dann anbot, zu versuchen, sich den verzweifelten Tieren zu nähern.

6Unser Verein zeigte die Tatsache schriftlich dem Herrn Bürgermeister von Ost-Selinos, Herrn Papanderos, an, außerdem auch der Veterinärbehörde Chania.

In der Sitzung, die wir am gleichen Tag mit Herrn Papanderos hatten, informierte er uns, dass er von der Existenz dieses Loches weiß und aus Eigeninitiative hatte Eisengitter anbringen lassen, damit niemand hineinfallen kann. Gewisse Leute jedoch hatten die Eisen mit speziellen Werkzeugen zerschnitten, damit sie ungestört ihr Werk fortsetzen konnten. Wir informierten ihn über die Anstrengungen, die wir unternehmen wollten, um die Tiere zu befreien und er sagte zu, den Eingang nach Abschluss unserer Versuche wieder zu verschließen.

Am Nachmittag des gleichen Tages ging eine Gruppe Freiwilliger mit Herrn Perrakis zu der Stelle, wo wir feststellten, dass in der Tat ältere Gitter existierten, die durchgeschnitten worden waren.

Wir hatten den Eindruck, dass mehrere vorbeifahrende Autofahrer aus Neugierde anhielten, und als sie hörten, dass wir Mitglieder eines Tierschutzvereins sind, fragten sie spontan, ob man schon wieder Hunde hinunter geworfen habe, was bedeutet, dass die Bewohner der Gegend Bescheid wussten, aber leider niemand etwas gesagt hatte.

Schließlich stieg Herr Perrakis unter Lebensgefahr in das Loch, wo er in etwa 18 Meter Tiefe eine verängstigte Jagdhündin entdeckte, etwa 8 Jahre alt, wie uns der Tierarzt Herr Bizyrakis sagte. Sie hatte sicher ihre Fähigkeit zu jagen verloren, und ihr Besitzer hatte deshalb beschlossen, dass sie ihm nicht mehr von Nutzen war. Nach einer enormen Anstrengung schafften wir es, das Tier an die Oberfläche zu bringen, enorm deshalb, weil es groß und der Eingang des Lochs sehr eng war.

7Glücklicherweise war es in einem verhältnismäßig guten Zustand - leicht verwundet an den Hinterbeinen, möglicherweise vom Sturz. Es ist ein besonders freundlicher Hund, der uns die Hände leckte, um uns seine Dankbarkeit zu zeigen und bei uns Allen Mitgefühl erzeugte.

Wir hatten nicht den Eindruck, dass das Tier abgemagert war. Wie uns jedoch Herr Perrakis mitteilte, befanden sich im Loch riesige Mengen toter Tiere, Schädel von Böcken, Abfälle und Felle, und das Tier hatte sich davon ernährt. Es gibt da unten auch stehendes Wasser. Der Gestank sei jedoch unerträglich und es gebe unzählige Kolonien von Insekten. Man fragt sich, wie lange das bedauernswerte Tier gezwungen war, in dieser Umgebung zu leben. Niemand kann uns das sagen.

Als Verein waren wir in letzter Zeit ununterbrochen konfrontiert mit der menschlichen Gleichgültigkeit und der Grausamkeit bestimmter Leute den Tieren gegenüber. Auf vielen Straßen sehen wir angekettete Tiere, abgemagert, der Sonne und dem Regen ausgesetzt - gelegentlich in der Nähe von irgendeinem Fass, und anstelle von Nahrung hat man für sie Abfälle hingeworfen, womit bewiesen wird, dass es an Respekt gegenüber den Tieren und der Umwelt mangelt.

Diese Tiere sind gefangen und wehrlos, ohne irgendein Recht. Auch wenn wir anhalten und ihnen etwas Wasser geben – eine geringe Kleinigkeit also –, lecken sie uns die Hände ab und wedeln mit ihren Schwänzen vor Dankbarkeit.

Die Rettung dieses Tieres – eines Tieres nur – von den hunderten, die tatsächlich in diesem Loch versenkt worden sind, war ein unerwartetes Geschenk. Wir hoffen, zukünftig nicht mehr mit ähnlichen Ereignissen konfrontiert zu werden, weder dort, noch in anderen Regionen unserer Präfektur.“


Quelle: „CHANIOTIKA NEA“, Donnerstag, 24. April 2008