Griechenland - Vergiften von griechischen Straßenhunden

Vergiften von griechischen Straßenhunden
 

31Vergiftungsaktionen haben regelrecht Tradition in einigen Ländern. Griechische Tierschützer berichten, dass die Streuner früher auf ein Boot gebracht und weit draußen auf dem Meer über Bord geworfen wurden. Die Hunde sind dann nach stundenlangem Schwimmen ertrunken. Es war allgemein bekannt, dass das so gemacht wurde. Vergiftungen sind erst üblich, seit es überall diese Chemikalien zu kaufen gibt.

Es werden regelmäßige Vergiftungsaktionen in den Städten durchgeführt, deren Urheber oder Verantwortliche aber nie bekannt werden. In den Metropolen gibt es niemanden, der zugibt, für Vergiftungen zu sorgen, aber in regelmäßigen Abständen sterben Streuner an Gift. Es gibt aufgrund der örtlichen und zeitlichen Gegebenheiten der Vergiftungen Vermutungen, dass die Müllabfuhr mit dem Auslegen der Köder beauftragt wird, aber das sind nur Spekulationen, die sich nicht beweisen lassen.

Die systematischen und flächendeckenden Vergiftungen von Bezirk zu Bezirk lassen aber eindeutig durchblicken, dass hier eine größere Organisation und ein geplantes Handeln höherer staatlicher Organe vorliegt. Es wird aber niemand von offizieller Seite sagen, dass organisiert vergiftet wird.

Tierschützer berichten, dass es in den Dörfern meistens eine gewisse Anzahl Leute gibt, die regelmäßig vergiften. Das sind private Aktionen, die angeblich nichts mit dem Bürgermeister oder einer übergeordneten Instanz zu tun haben. In den Dörfern wird ganz offen darüber gesprochen, wenn jemand Gift auslegt. Es ist ebenfalls normal, dass damit gedroht wird, wenn es Probleme mit Hunden gibt. Der persönliche Besitz ist ein höheres Gut als das Leben eines Streuners, der eben diesen bedroht. Es werden auch keine Alternativen gesehen, z. B. die Hühner evtl. durch Zäune oder Ställe vor den Hunden zu schützen, so wie wir es hierzulande tun, um Schäden durch Füchse oder Marder zu verhindern. Den Leuten in den Dörfern geht es oft auch finanziell sehr schlecht. Gift ist billiger als ein Zaun und es macht weniger Arbeit.

35In touristischen Orten ist die Lage wieder anders. Dorthin kommen viele Urlauber aus den Großstädten und setzen häufig dort ihre überflüssig gewordenen Hunde aus. Im Winter werden süße Welpen angeschafft, die bis zum Sommerurlaub groß sind und in der Stadtwohnung stören und zu viele Ansprüche stellen. Dann fahren die Familien im Sommer in ihr Ferienhäuschen. Wenn sie wieder abfahren, wird der Hund im Urlaubsort zurückgelassen: dort ist es idyllisch und schön und dort wird es dem Hund sicherlich gut gehen. Fast wird das schon wie ein Befreiungsakt für den Hund betrachtet: er kann wieder sein natürliches Leben als Tier in der Freiheit leben.

Tierschützer wissen: Wenn man irgendwo hinkommt und es sind keine Streuner mehr da, wo vorher regelmäßig welche gesehen wurden, dann sind sie kurz vorher vergiftet worden. Die jahrzehntelange Tradition des Vergiftens ist der beste Beweis dafür, dass Gift keine Lösung für das Streunerproblem ist. Kastrationsaktionen helfen, wenigstens das Weitervermehren zu verhindern.

Das größte Problem sind aber die Menschen, die sich niedliche (Rasse-)Welpen aus privaten Zuchten oder aus Ostblock-Importen z. B. im Pet-Shop kaufen und diese Tiere, wenn sie erwachsen und lästig oder gar krank werden, einfach vor die Tür setzen. Das ist das eigentliche Problem der Streunermassen und damit ein hausgemachtes.

25Das Desinteresse vieler Menschen gegenüber den Bedürfnissen und der Lebensweise der nichtmenschlichen Kreatur führt zu romantischen Phantasien vom „Leben in freier Wildbahn“ und so wird das Gewissen derer rein gewaschen, die ihren Familienhund auf die Straße entsorgen. Der Akt des Aussetzens wird wie ein „Entlassen in die Freiheit“ gewertet und vor den vielen elenden, hungernden Streunern werden die Augen verschlossen. Die haben natürlich nichts mit dem eigenen freigelassenen Hund zu tun...

Autor: Stefan Grothus Dieser Artikel ist samt Fotos unter einer Creative Common Lizenz veröffentlicht und lizensiert.

Am Abend des 28. Januar 2009 wurden 5 Hunde am Hauptplatz von Ioannina vergiftet. Am nächsten Tag wurden weitere 11 Straßenhunde in einer Parkanlage von Ioannina ebenfalls vergiftet. Weiterhin wurde von Tierfreunden, die in Ioannina Straßentiere füttern, berichtet, dass viele plötzlich verschwunden sind. Im Wahlkampf 2004 bot sich zwei Tage vor dem Besuch eines prominenten Politikers das gleiche Bild am Hauptplatz von Ioannina, wo dieser seine Rede halten sollte. Dieselbe Behörde, derselbe Bürgermeister, dieselbe einfache Lösung - 13 vergiftete Hunde.

Quelle: Vesna Jones Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!