Polen

Die Situation der Straßentiere in Polen
 

polen1Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern gibt es in Polen KEINE Tötungslager, was für den Tierschutz natürlich von großer Bedeutung ist. Dennoch ist die Lage der Hunde und Katzen in diesem Land dramatisch, denn die Tierheime sind hoffnungslos überfüllt. Die Hauptursache dafür besteht darin, dass polnische Hundehalter nur selten dazu bereit sind, ihre Tiere kastrieren zu lassen, so dass es häufig zu ungewollten Schwangerschaften kommt. Trächtige Hündinnen oder Welpenwerden dann mit oder ohne Mutter in ein Tierheim gebracht oder einfach ausgesetzt. Die Welpen verbringen manchmal die Hälfte ihres Lebens in einem Tierheim.


Viele Halter bringen ihren Hund auch in ein Tierheim, sobald dieser ein bestimmtes Alter erreicht hat, und ersetzen ihn durch einen jüngeren. Die staatlichen Tierheime wehren sich nicht gegen die Abgabe von Hunden, da sie dafür jedes Mal eine bestimmte Geldsumme erhalten. Ebenso wie die privaten Tierheime erhalten die staatlichen außerdem noch finanzielle Unterstützung in unterschiedlicher Höhe von den Gemeinden. Trotzdem können die Hunde in etlichen Tierheimen nur mit dem Allernötigsten versorgt werden, wovon auch die medizinische Versorgung betroffen ist. In vielen Tierheimen werden die Hunde nicht kastriert, so dass es auch dort zu einem unerwünschten Zuwachs der Population kommt.

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In einigen Tierheimen sterben die Hunde an Krankheiten, verhungern, verwahrlosen oder beißen sich gegenseitig zu Tode. Letzteres ist vor allem eine Folge der Überbelegung in wenigen Gemeinschaftszwingern, die sie eigentlich nie verlassen. So wächst das aggressive Verhalten und führt täglich zu tödlichen Bissverletzungen.

Anders als in Deutschland würde in Polen kaum ein Mensch auf die Idee kommen, am Wochenende Hunde aus dem Tierheim auszuführen. Viele Hunde werden sogar an die Kette gelegt, und das über mehrere Jahre. Die Überbelegung betrifft die kleineren Tierheime genauso wie die größeren. Mit Ausnahmen, z.B. Tierheim Padovince, das eng mit deutschen Tierschützern zusammenarbeitet, sind die Unterkünfte für die Tiere immer noch äußerst dürftig.

In Tierheimen, die ihre Kapazität bereits um ein Vielfaches überschritten haben, kann das vorhandene Personal unmöglich alle Tiere richtig versorgen, und die knappen finanziellen Mittel ermöglichen gerade mal eine Fütterung mit einem nicht weiter definierbaren matschigen Brei. In dem Tierheim von Lodz leben zum Beispiel 500 bis 700 Hunde!

3Immerhin sorgen einige wenige Tierheime dafür, dass die Hunde dort kastriert werden. Auch streunende Hunde werden von örtlichen Tierschutzvereinen und mit der Unterstützung von Gemeinden kastriert. Deutsche Tierschützer helfen außerdem beim Ausbau der Tierheime und tragen mit Sachspenden zu einer Verbesserung der Ausrüstung bei. Sie nehmen den Tierheimen auch Hunde ab und vermitteln diese nach Deutschland. Die Zusammenarbeit mit den Deutschen und die Aktivitäten privater Tierschutzorganisationen haben dazu beigetragen, dass sich die Situation der Tiere langsam bessert.

Aufgrund der Weigerung vieler Halter, ihre Hunde kastrieren zu lassen, ist dies aber noch lange nicht ausreichend. Nach wie vor platzen die Tierheime aus allen Nähten, und die Aussichten für eine Vermittlung im eigenen Land sind in manchen Städten gleich Null. Viele Hunde müssen so den größten Teil ihres Lebens in einem Tierheim verbringen.